Die letzten Tage in Honduras

Wahrscheinlich werde ich diesen Post erst hochladen können, wenn ich entweder auf einem der diversen Flughäfen auf meiner Rückreise online sein kann oder wenn ich wieder in Deutschland bin, daher wundert Euch bitte nicht über das Publikationsdatum… 😉

Das letzte Mal hatte ich mich vor meinem Hotelwechsel in La Ceiba gemeldet, richtig?Was ist seitdem passiert?

  1. Mein Ausflug nach Utila

Da annähernd alle, die ich auf meiner Reise traf, so unheimlich von Utila, einer kleinen Karibikinsel, geschwärmt haben, wollte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, wenigstens einen Kurztrip dorthin zu unternehmen. Zwei Nächte verbrachte ich daher dann noch auf Utila. Eine kleine Fähre, die zweimal täglich hin- und herfährt, verbindet Utila mit dem Festland – die Hinfahrt war recht relaxt, die Rückfahrt dagegen nicht unbedingt für Leute geeignet, die schnell seekrank werden. Eine Österreicherin, die ich auf der Rückfahrt traf, hat versucht, die Wellen zu filmen – ich schaue mal, ob ich an das Video komme.

Utila ist wesentlich kleiner als ich dachte, aber das hat mich nur positiv überrascht; ich mag ja kleine Inseln. Die Bay Islands gelten als relativ sicher, man kann sich dort freier bewegen als auf dem Festland, was ich sehr genossen habe.

Utila ist vor allem ein Traum, wenn man zum Tauchen herkommt (was ich sicher auch einmal machen werde), gerade auch bezüglich des Preisaspekts. Eine Tauchschule reiht sich hier an die nächste (unter anderemauch  vom derzeitigen bzw. ehemaligen Bürgermeister. Wäre das nicht auch was für Wowi? Schöne Vorstellung…).

Das Wasser ist kristallklar, die Straßen von Sand bedeckt, das Leben mindestens einen Schritt langsamer als im Rest des Landes. Die ganze Atmosphäre auf Utila ist einfach extrem laid-back, friedlich und von Reggae-Rhythmen durchdrungen. Wobei ich sagen muss, dass ich mich so einschätze, dass mir das Ganze nach einer Weile eventuell zu backpackermäßig, zu entspannt und zu hip ist – aber das kann ich ja erst beurteilen, wenn ich auf Utila mal mehr Zeit verbracht habe. Für ein Wochenende war es auf jeden Fall mehr als angenehm.

Ansonsten habe ich mir noch die Iguana Research & Breeding Station, die sich den durch Jagd und die allgemeine Entwicklung der Insel gefährdeten Leguanen widmet, sowie das Whale Shark & Oceanic Research Center angesehen.

Was mich auf Utila ein bisschen gestört hat, war die starke Amerikanisierung: Überall konnte man mit dem Dollar zahlen, Englisch hörte man häufiger als Spanisch (was aber nicht nur an den Touristen lag, sondern vor allem daran, dass viele Amerikaner sich hier niedergelassen haben), Hamburguesas (die hier aber tatsächlich dann doch wieder  „Hamburger“ heißen) gab es an jeder Ecke.

Die anderen Bay Islands konnte ich leider aus Zeitgründen nicht mehr besuchen – sehr schade, aber wahrscheinlich hätte das auch mein Budget gesprengt. Vielleicht ein anderes Mal… Wie schon einmal erwähnt: Ich komme bestimmt wieder…

2. Ein letzter Tag in La Ceiba

Den letzten Tag in La Ceiba habe ich damit verbracht, Postkarten zu schreiben (die ich Euch aber entweder persönlich gebe oder sie Euch von Deutschland aus per Post zuschicke. Grund: Ich habe in den gesamten vier Wochen hier nur ein einziges Post Office – und das natürlich, als ich die Postkarten nicht dabei hatte, nämlich auf Utila – gefunden… Und die Wahrscheinlichkeit, dass die Karten ankommen, ist auch höher, wenn wir das in Deutschland erledigen…), Rum zu kaufen (ich bin mal gespannt, ob der heil in Deutschland ankommt), noch einmal den Strand und die Parks der Stadt zu besuchen. Und natürlich: Zu packen.

3. Fahrt nach „Tegus“ und mein letzter Abend vor der Abreise

Früh am Morgen ging es los mit dem Bus, sieben lange Stunden ein allerletztes Mal quer  durch Honduras. Ich habe während der Fahrt noch einmal versucht, ein paar Photos zu machen – vor allem vom traumhaften Lago de Yojoa und von Comayagua. Gut sind sie, befürchte ich, leider nicht geworden, aber besser als nichts.

Meine Sitznachbarin erwies sich als recht gesprächig, aber nicht auf eine unangenehme Art und Weise, sondern zeigte sich, wie alle Honduraner, die ich unterwegs traf, sehr interessiert an allem, was Europa und auch meine Reise angeht. Als wir endlich in „Tegus“ (kein Honduraner sagt „Tegucigalpa“, das sagen nur wir Ausländer ;-)) ankamen, zack, schnell rein ins nächste Taxi und ein Hotel suchen, schließlich hatte ich noch keines. Aber das war Gott sei Dank kein Problem

Nun liege ich auf meinem Hotelbett, schaue CNN (ich habe von der Welt in den letzten Tagen nicht wirklich viel mitbekommen) und relaxe, bevor ich morgen den Flieger Richtung Berlin besteige… Irgendwie fühlt sich das gerade komisch an. Diese vier Wochen sind unheimlich schnell vergangen und doch habe ich so unglaublich viel erlebt – kaum zu glauben, dass ich bald schon wieder in Berlin sein werde.

Auf der einen Seite bin ich ein bisschen wehmütig, Zentralamerika morgen wieder zu verlassen, auf der anderen Seite freue ich mich doch wieder auf Berlin und vor allem den Berliner Sommer mit Cocktails, Grillen und Chillen (und was sich reimt, ist immer gut…) in Parks, Baden in Seen, Freiluftkinos…

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Gegenmucke

Ich muss mal „richtige“ Musik 😉 posten, mir geht nämlich gerade das ständige „corazón“- Gedudel (ich zitiere meine Freundin Petra: „Wenn das Wort corazón nicht vorkommt, dann handelt es sich nicht um einen lateinamerikanischen Song…“) ein bisschen auf die Nerven… Ist ja alles schön und gut, aber wie war das mit der richtigen Dosis…

Daher jetzt mal hier  Mucke aus den 90ern…

Auch da geht es um Liebe, Herzschmerz, Verlieren, Vergessen und was sonst noch dazu gehört, aber anders als in lateinamerikanischen Songs mit ähnlicher Thematik… 😉

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„Gewalt erzeugt Gegengewalt, hat man Dir das nicht erklärt?“ (Die Ärzte)

Vor ein paar Tagen haben Jenny, meine ehemalige Mitbewohnerin aus Choluteca, und ich durch ungute abendliche Googlelei (sieht seltsam aus ;-), aber ich lass das mal so stehen) festgestellt, dass Honduras zum gefährlichsten Land der Welt avanciert ist… In Choluteca, das ja mehr oder weniger ein kleines, verschlafenes Nest ist und vom Rest des Landes als ein wenig „hinterwäldlerisch“ eingeschätzt wird, hatten wir mit Gewalt bisher nicht viel zu tun. Choluteca gilt als relativ sicher – wobei auch dort immer eine gewisse Spannung in der Luft liegt, wenn auch weniger als in anderen Städten. Es kann eben jeden Moment etwas passieren – man wird auch dort  diesen Gedanken nie los.

Richtig klar wurde mir das Ausmaß aber erst gestern in Tegucigalpa, wo jedes Busunternehmen, jeder Supermarkt, jedes Restaurant und jede Bank (gut, da macht es auch Sinn) eigene Security Guards haben. In Choluteca war das nie nötig. Hier in La Ceiba sieht man Polizei, Militär und Sicherheitsleute, wo man geht und steht. Ich muss sagen, dass diese ständige Präsenz von Waffen (auch in  der Hand derjenigen, die sie berufsbedingt zu tragen haben) bei mir eher Unsicherheit auslöst… Sicherheit vermitteln Waffen bei mir in keinster Weise. Was passiert, wenn jemand, der eine Waffe besitzt und mit sich trägt, in irgendeiner Form durchdreht?

Hier in Honduras kann jeder seine Geschichten zum Thema Gewalt und Mord zu erzählen: Oftmals hat Mord auch hier (parallel zu der furchtbaren Sache, die vor ein paar Tagen in Berlin passiert ist) einen familiären Hintergrund – mit dem Zusatz, dass hier dann oft auch gleich noch Hausangestellte und Kinder getötet werden, damit es keine Zeugen gibt. Außerdem an der Tagesordnung: Der regelrechte Krieg zwischen Gangs (der zwar eigentlich nur auf die gegnerische Mara abzielt, aber was ist, wenn man aus Versehen zur falschen Zeit am falschen Ort ist? Kollateralschaden… ) sowie bewaffnete Raubüberfälle auf Busse oder Einzelpersonen auf der Straße. Ich nehme, seitdem ich nicht mehr in Choluteca bin, sooft wie möglich ein Taxi, aber fühle mich dadurch auch nicht mehr wirklich frei, sondern eher eingeschränkt in meinem Handeln.

In meinem Bus von Tegucigalpa nach La Ceiba gestern saß auch ein Mann (ein ganz normaler Passagier, kein Wachmann), der seine Waffe völlig offen zur Schau trug, als sei es das Selbstverständlichste überhaupt… Aber vielleicht ist es das hier auch. Mit Jenny habe ich neulich auch mal darüber geredet, ob es hier denn eigentlich irgendein Waffengesetz geben würde. Sie meinte, sie hätte mal gehört, man müsse lediglich volljährig sein, um Waffen besitzen zu dürfen. Heute habe ich gelesen, dass jeder wohl sogar bis zu 5 Waffen haben darf.  Jedes noch so kleine Dorf, durch das ich gefahren bin, hat mindestens ein Waffengeschäft.

Für mich beißt sich diese allgegenwärtige Gewalt auch immer ein wenig mit der tiefen Religiosität der Menschen. Obwohl, nein, eigentlich doch nicht…

Sicherheit fühlt sich anders an. Bisher ist mir nichts passiert und ich hoffe, dass das die letzten Tage hier auch so bleibt. Ich tue, was ich kann. Alles wird gut.

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Aus dem Süden an die Karibikküste

Nachdem ich gestern bereits um 6 Uhr in Choluteca mit dem Bus nach Tegucigalpa (Dauer: 3 Stunden) gestartet bin, da ich dort ein paar Dinge zu erledigen hatte, setzte ich mich anschließend in den Bus nach La Ceiba (Dauer: weitere 7 Stunden), um nach der Fahrt durch im Grunde das ganze Land völlig übermüdet an der Karibikküste anzukommen.

Mein Ho(s)tel in La Ceiba (das der Lonely Planet ganz toll fand…) erwies sich als nicht wirklich gut (um es mal harmlos auszudrücken – das einzig Positive ist die Internetverbindung, den Rest kann man getrost vergessen), so dass ich mir heute erst einmal ein anderes gesucht habe  und morgen – ich hoffe, dass alles ohne Probleme klappt – umziehen werde.

Der Plan ist allerdings, dass ich das neue Hotel als eine Art Basislager missbrauchen  und dort meinen Riesenrucksack zwischenlagern werde, während ich mit leichtem Gepäck in Richtung Bay Islands starte und mir dort dann ganz preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten suche, damit es insgesamt nicht viel zu teuer wird… So ist der Plan, mal sehen, wie es mit der Umsetzung klappt.

Heute habe ich den Tag genutzt, um mir La Ceiba anzuschauen, die nach Tegucigalpa und San Pedro Sula wohl drittgrößte Stadt des Landes. La Ceiba ist nicht wirklich schön, hat aber einen Strand, der ganz nett ist und außerdem ist La Ceiba ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge auf die Bay Islands und in die umliegenden Nationalparks.

In Honduras gibt es folgenden Spruch: „Tegucigalpa denkt, San Pedro Sula arbeitet, La Ceiba feiert“ – das trifft es wohl ganz gut. So findet hier beispielsweise alljährlich ein berühmter Carnival statt, der Besucher aus dem ganzen Land anzieht und gerade erst letzte Woche stattgefunden hat.

Am Vormittag war ich am Strand  – immer brav in der Nähe der Polizeistation, damit eventuell möglicherweise vielleicht im Falle eines Notfalls jemand helfen kann (ein ungutes Gefühl wird man hier nicht wirklich los). Den Nachmittag (klingt komisch, ist aber so…) habe ich in einem Supermarkt verbracht… 😉 Und zwar aus zwei Gründen:

1. Nach ein paar Stunden am Strand brauchte ich einfach ein bisschen Abkühlung und in Supermärkten funktioniert die Klimaanlage so gut wie nirgendwo anders hier…

2. Ich finde Supermärkte im Ausland immer spannend und bin stets auf der Suche nach aufregenden Produkten, die es bei uns in der Form nicht gibt. Leider wird das Angebot immer ähnlicher, aber wenn man ein bisschen sucht, dann findet man doch das ein oder andere…

So, und den Abend bin ich nun in meinem Hostel und nutze den einzigen Vorteil, den es hat, nämlich das Internet, zur Recherche… Ab morgen werde ich dann wohl ins Internetcafé gehen müssen. Naja, warten wir’s ab.

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Kinder ohne Kindheit

Was mich in lateinamerikanischen Staaten immer wieder schockiert, ist die große Anzahl extrem junger Eltern. Neulich saß eine vierköpfige Familie vor mir im Bus, beide Elternteile garantiert nicht älter als 15…Wahnsinn. Und beide schauten so  unglaublich ernst dabei, als sei das Leben schon vorbei, keinerlei Leuchten in den Augen oder Lebensfreude – nicht wie etwa gleichalte Kids bei uns, die im Normalfall noch Flausen im Kopf haben.

Eine Mutter von zwei Schülern „meiner“ Schule in Choluteca ist Kinderärztin und hat wohl tagtäglich mit Kindern zu tun, die Kinder bekommen und denen so gar nicht klar ist, wie es dazu kommen konnte.

Und wieder einmal ist Bildung das einzige Mittel, das helfen kann… Aber wenn das Geld hierzu fehlt, wird es schwierig. Dazu kommt dann noch das religiös bedingte Totschweigen bestimmter Themen, das die Problematik verschärft. Ein absoluter Teufelskreis…

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Nur ein kurzes Update, bin gerade zu müde, um viel zu schreiben

Guten Morgen, Deutschland (bei Euch ist es gleich halb 6)!

Bin heute (für Euch gestern 😉 )10 Stunden mit dem Bus unterwegs gewesen (Choluteca – Tegucigalpa – La Ceiba) und vor kurzem in La Ceiba an der Karibikküste angekommen. Ich habe aber noch nichts gesehen hier, denn als ich ankam, regnete es und es war dunkel… Daher morgen oder demnächst mehr an dieser Stelle.

Ich denke aber, ich bleibe erst einmal hier an der Küste – vielleicht schaffe ich es auch noch auf die ein oder andere Insel.

Jetzt liege ich ein wenig fertig auf meinem Bett und freue mich darüber, dass ich wieder ein wenig online sein kann. In Choluteca war das ja eher Glückssache…

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Exemplarischer Überfall auf einen Bus

Gott sei Dank habe ich das zumindest bisher nicht selbst erlebt, aber ich möchte Euch mal kurz schildern, wie ein Überfall auf einen Bus in Honduras beispielsweise ablaufen kann.

Diese Story habe ich in ähnlicher Form hier bereits mehrfach gehört; dieses Vorgehen scheint hier wohl regelmäßig praktiziert zu werden, vor allem auf der Strecke zwischen San Pedro Sula und Tegucigalpa, also zwischen den beiden größten Städten des Landes. Es handelt sich auch um die  befahrenste Strecke des Landes.

Alles ist soweit friedlich, bis auf einmal während der Fahrt auf einmal überall im Bus verteilt schwer bewaffnete Männer aufstehen, die die übrigen Fahrgäste ihrer materiellen Habseligkeiten entledigen. Anschließend verlassen die Männer mit ihrer Beute den Bus und steigen in ein Auto ein, das hinter dem Bus herfährt.

Das Ganze  dauert wohl nur wenige Minuten und das alles während der Fahrt…

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